top left image
top right image
bottom left image
bottom right image
Land & Forst 30 . 22.07 2004

"Molkereien mit Fingerspitzengefühl fordern"





Niedersachsen hinkt bei den Milchauszahlungspreisen im bundesweiten Vergleich hinterher.


In Bayern und Baden-Württemberg
erhalten die Milchbauern
deutlich mehr Geld für ihre Milch.
Ein Grund für die besseren Preise
könnte darin bestehen,
dass 50 Prozent der angelieferten Milch in Bayern über Milcherzeugergemeinschaften
an die Molkereien vermarktet werden.

Die Differenz zwischen den Auszahlungs-
preisen für Milch in Niedersachsen und
Bayern betrug im vergangenen Jahr
durchschnittlich drei Cents. Zuviel, wie
Fritz Vogt vom Zentralverband der Milch-
erzeuger in Bayern findet. "Ihr Milchpreis
in Norddeutschland schadet uns in Bay-
ern", erklärte er kürzlich auf einer Infor-
mationsveranstaltung in Gifhorn zum
Thema Milchvermarktung, zu der die beiden
Milcherzeugergemeinschaften Barmke
und Heidemilch eingeladen hatten.
Denn durch die Preisdifferenz kaufen auch viele
bayerische Molkereien billige Milch in
Norddeutschland, was wiederum auf den
Milchpreis im Süden drückt.

Das Problem am Milchmarkt beschrieb
Vogt so: Viele Milcherzeuger stehen einem
Käufer, nämlich der Molkerei, gegenüber.
In Norddeutschland komme erschwerend
hinzu, dass es nur noch wenige Molkerei-
en gibt, die Milch nachfragen. "Es hat zu
viele Fusionen gegeben, nicht immer zum
Vorteil der Landwirte", sagte Vogt. Der
Milchprofi ermunterte die rund 150 anwe-
senden Milcherzeuger, sich zu Erzeugerge-
meinschaften (MEG) zusammenzuschlie-
ßen und den Kontakt zu ihren Molkereien
zu suchen, um einen auskömmlichen
Milchpreis zu erzielen.

Milchpreise werden gemeinsam ausgehandelt
In Bayern werden 50 Prozent der Milch
über Milcherzeugergemeinschaften an die
Molkereien vermarktet. Betreut werden
die 54000 organisierten Milchviehhalter
vom Zentralverband der Milcherzeugerge-
meinschaften in Bayern, der dem Bayeri-
schen Bauernverband sehr nahe steht.
"Wir betreuen Milcherzeugergemeinschaf-
ten mit 9 Mio. bis 280 Mio. kg Milch",
erklärte Fritz Vogt, der die Außenstelle
Nordbayern in Triesdorf in der Nähe von
Nürnberg leitet. "Unser Geschäft ist es,
täglich mit den Molkereien zu reden und
im Notfall auch einmal zu streiten."
Der Zentralverband hilft bei der Gründung der
Erzeugergemeinschaften und
berät und betreut sie auch in rechtlichen Dingen. In
Niedersachsen gibt es bisher keine ver-
gleichbare Einrichtung.


Die Milcherzeugergemeinschaften handeln mit Unterstützung des Verbandes für ihre Mitglieder die Milchpreise mit der Molkerei aus.

Es werden in der Regel Drei-
bis Fünfjahresverträge in Nordbayern und Einjahresverträge in Südbayern abge-
schlossen.


Ein Aspekt ist für Vogt ganz wichtig: "Wir
sind an einer .partnerschaftlichen
Zusammenarbeit mit den Molkereien
interessiert, wir wollen nicht gegen sie
arbeiten." Das hindert ihn aber nicht
dar an, hart mit den Molkereien über den
Milchpreis zu verhandeln. In Bayern gibt es
einen Erzeugerorientierungspreis (EOP) für
Milch mit 3,7 Prozent Fett und 3,4 Prozent
Eiweiß, der für jedermann zugänglich ist.
"Bei der Aushandlung des Milchpreises
wird nur über die Zuschläge zum EOP
gesprochen", beschrieb Vogt das Procede-
re. Außerdem werden Vergleichsmolkerei-
en im Milchkaufvertrag aufgeführt, deren
Preise den endgültigen Auszahlungspreis
mitbestimmen. Am Ende des Jahres wird
nachverhandelt: "Wir setzen uns mit den
Molkereien an einen Tisch und diskutieren
über das abgelaufene Jahr. Wenn möglich,
handeln wir dabei eine Nachzahlung für die
Milcherzeuger aus." .

Den norddeutschen Milcherzeugern empfiehlt der Milchmarktprofi, es den Bayern nachzumachen.

In Bayern gibt es
Milcherzeugergemeinschaften bereits seit
1970. Die Milcherzeuger sollten sich sei-
ner Meinung nach in ihren Regionen zu
Erzeugergemeinschaften zusammenschlie-
ßen. "Wichtig ist, geschlossene Gebiete
anzubieten, damit der Milchsammelwagen
schnell voll ist", so der Rat von Fritz Vogt.


Große Wunder seien am Anfang aber nicht
zu erwarten. "Es geht erstmal darum
Vertrauen aufzubauen und kleine Schritte
zu machen." Ansatzpunkte sieht er bei-
spielsweise in einer Anpassung des Fett-
korrekturwertes: Die Basis für die Ermitt-
lung des Auszahlungspreises ist mit 3,7
Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß in
Niedersachsen und Bayern zwar gleich, in
Bayern werden aber deutlich höhere
Zuschläge gezahlt. Die Milcherzeuger be-
kommen dort ca. 0,50 Cent
je Fettprozent mehr. Dadurch büßen die norddeutschen.
Milcherzeuger rund 0,30 Cents pro kg
Milch ein. Zudem übernehmen in Bayern
die Molkereien den CMA-Beitrag, den im
Norden die Landwirte vom Milchgeld
bezahlen müssen.

Unterstützung vom Bauernverband einfordern


Vogt rief die Landwirte dazu auf, beim
Landvolkverband Unterstützung einzufor-
dern. Schließlich übernehme in Bayern
der Bauernverband auch die Geschäfts-
führung der Erzeugergemeinschaften. Die
Finanzierung der Erzeugergemeinschaften
erfolgt durch Zuschläge zum Milchpreis,
die von den Molkereien bezahlt werden.
Die Umlage nach dem so genannten Milch-
und Fettgesetz in Höhe von 0,2 Cents/kg
wird nicht vom Milchgeld abgezogen,
sondern ebenfalls' von den Molkereien
gezahlt. Der Zentralverband der Milcher-
zeuger erhält aus diesem Topf seine
Mittel.

Eine Bündelung der Milcherzeuger ist nach Ansicht von Fritz Vogt unerlässlich, um auf die Molkereien einen gewissen Druck zu erzeugen.

"Sonst bemühen sich
die Molkereien nicht", ist seine Erfahrung.
"Aber man muss sie mit Fingerspitzenge-
fühl fordern." Da die Milchanlieferungen
seit März deutlich zurückgegangen sind,
erwartet Vogt einen festeren Milchmarkt
mit steigenden Preisen. "Das bedeutet
auch, dass zurzeit bessere Verträge aus-
handelbar sind."
Den norddeutschen Weg der Molkerei-
en, ihre Ertragskraft durch Fusionen zu
stärken, sieht Vogt mit gemischten Gefüh-
len entgegen: "Wir haben einen internatio-
nalen Markt. Nicht einmal die zwei
größten Molkereien in Holland mit über 90
Prozent Marktanteil können im eigenen
Land den Markt bestimmen. Für die
großen Lebensmittelkonzerne ist selbst
diese große Molkerei viel zu klein." In
seinen Augen haben kleine Molkereien oft
sogar bessere Chancen am Markt, weil sie
Nischenmärkte bedienen können, die oft
lukrativer sind als das Massengeschäft.
Imke Brammert-Schröder






Land & Forst 25 . 17. 6. 2004

"Wir wollen unsere Milch vermarkten"


TIERHALTUNG 31

Joachim Banse aus Kakerbeck (links) und Andreas John aus Ummern vermarkten inzwischen die Milch von 20 Milcherzeugern aus dem Raum Wittingen.



Dass Milch auch erfolgreich vermarktet
werden kann, zeigen zwei Milcherzeu-
ger aus der Nähe von Wittingen. Sie
haben vor kurzem die Vermarktungs-
gemeinschaft Heidemilch w. V. ins Le-
ben gerufen, die die Milch von zwanzig
Landwirten verkauft. Diese Eigeninitia-
tive wird durch einen rund zwei
Cents/kg höheren Milchpreis belohnt
.

"Wir hatten eine gehörige Portion Wut im
Bauch", antworten Joachim Banse und
Andreas John auf die Frage, warum sich
die beiden Landwirte um die Vermarktung
ihrer Milch selber kümmern. Bis letztes
Jahr haben sie wie ihre Berufskollegen
auch die Milch zur Molkerei Isenhagener .
Land eG in Hankensbüttel geliefert. Als
diese aber im Sommer geschlossen wurde
und die Milchverarbeitung von der Uelze-
na eG in Uelzen übernommen wurde,
obwohl andere Molkereien das Werk in
Hankensbüttel übernehmen und den
Standort erhalten wollten, war für die
beiden das Maß voll. "Wir haben unsere
Konsequenzen gezogen und haben die
Mitgliedschaft in der Milchliefergenossen-
schaft gekündigt, weil in unseren Augen
die Milch über die Uelzena nicht gut
genug verwertet wird", erklärt Banse.
Insgesamt hatten 18 Landwirte aus Nie-
dersachsen und fünf Milcherzeuger aus
Sachsen-Anhalt von ihrem Sonderkündi-
gungsrecht Gebrauch gemacht.

Milch wird gesucht


Die Landwirte hatten ein halbes Jahr Zeit,
eine neue Molkerei zu finden. "Wir haben
schnell festgestellt, dass Milch gesucht
wird", beschreibt Andreas John die Erfah-
rungen bei der Suche. Und noch etwas
haben sie festgestellt: Dass weiter im
Süden, Westen und Osten bessere Preise
gezahlt werden, nur nicht im Norden. Mit
zehn Molkereien haben sie verhandelt,
fünf blieben nach genauer Betrachtung
übrig und zwei haben sie in die engere
Wahl gezogen. Übrig geblieben ist die
Allerstedter Käserei in Wohlmirstedt im
Süden von Sachsen-Anhalt. "Wir haben
uns für die Allerstedter entschieden, weil
ihre Produkte gut sind und nicht aus-
tauschbar", so John. Die Käserei stellt
Esrom, Butter- und Harzer Käse her und
vermarktet alle Produkte abgepackt an
den Handel. "Es wird keine Standardware
hergestellt, das war uns wichtig", betont
der Landwirt. Und Joachim Banse fügt an:
"Erstmals sehen wir unsere Milch im
Laden wieder. Das ist ein gutes Gefühl."
Denn die Hankensbüttler Molkerei hat
Vorprodukte hergestellt und den Groß handel beliefert.
Seit Anfang des Jahres
liefern 20 Milcherzeuger ihre Milch zur
Allerstedter Käserei. Die Tour zu den in
einem Umkreis von 30 km liegenden Be-
trieben wird so geplant, dass auch bei
zweitägiger Abholung täglich ein Lkw-Zug
Milch zusammenkommt.

Höhere Preise erzielt


Mit dem Transport der Milch ins 280 km
entfernte Wohlmirstedt wurde eine Spediti-
on beauftragt, die sich auf Milchtransporte
spezialisiert hat. Die Landwirte beteiligen
sich mit 0,5 Cents/l Milch an den Transport-
kosten, den Rest zahlt die Molkerei. Bisher
sind die Mitglieder der Vermarktungsge-
meinschaft Heidemilch wV zufrieden mit
ihrer Entscheidung, nach Wohlmirstedt zu
liefern. Die Molkerei zahlt etwa ein bis zwei
Cents mehr für die Milch als die Molkereien
im norddeutschen Umfeld. "Die Allersted-
ter Käserei orientiert sich bei den Auszah-
lungspreisen an den Molkereien in Bad
Bibra und Frischli in Weißenfels. In der
Gegend ist die Milch knapp, das garantiert
uns einen guten Milchpreis", zeigt sich
Joachim Banse zufrieden. Die Vermark-
tungsgemeinschaft hat mit der Molkerei
einen zeitlich unbegrenzten Vertrag ge-
schlossen, der von bei den Seiten aber drei
Monate zum Jahresende kündbar ist.
Die Vermarktungsgemeinschaft Heide-
milch wird von einem dreiköpfigen
Vorstand geführt. Erster Vorsitzender ist
Andreas John aus Ummern, sein Stellver-
treter ist Joachim Banse aus Kakerbeck,
der zugleich auch die Geschäftsführung
innehat. Komplettiert wird der Vorstand
durch Friedhelm Borchers aus Wettendorf.
Alle drei bewirtschaften reine Futterbaube-
triebe mit zum Teil über 100 Kühen. Das
Engagement für die Milchvermarktung
bringt für die Mitglieder des Vorstands der
Heidemilch aber auch neue zeitaufwändige

Aufgaben mit sich: sie müssen sich um die
Organisation der täglichen Milchabholung
kümmern und für alle Beteiligte durchführ-
bare Lösungen finden, z.B., dass die Milch
bis auf die geforderte Mindesttemperatur
heruntergekühlt ist, wenn sie auf dem
Betrieb abgeholt wird. Aber auch für die
Organisation der QM-Durchführung sind
die Landwirte zuständig, weil die Molkerei
sie zwar verlangt, aber nicht organisiert.
"Der Aufwand ist hoch, jeder von uns
investiert etwa zehn bis 15 Stunden in der
Woche für Heidemilch", erklärt Andreas
John.

Kontakt zu vielen Molkereien


Zur Arbeit des Vorstands gehört auch die
Kontaktpflege mit Behörden und anderen
Molkereien. Denn schon bald soll die
Vermarktungsgemeinschaft um 20 Milch-
erzeuger vergrößert werden, die bereits
bei ihrer Molkerei die Lieferverträge
gekündigt haben. "Wir sind gerade im
Gespräch mit einer Molkerei, die die Milch
aufnehmen will", .erklärt Andreas John.
"Mit kleinen Mengen kann man am Markt
flexibel agieren, und wir wollen uns nicht
nur auf eine Molkerei festlegen." Die
Wittinger Landwirte treten über die Ver-
marktungsgemeinschaft aktiv am Markt
auf. Sie haben damit gezeigt, dass man auf
dem Milchmarkt etwas bewegen und die
Milch besser vermarkten kann. "Wir
haben durch unsere Interessengemein-
schaft Wettbewerb geschaffen, als Einzel-
betrieb ist das nicht möglich", sagen die
beiden Milcherzeuger rückblickend.
Imke Brammert-Schröder





Elite 3/2004

Eigeninitiativezahlt sich aus


19 Milcherzeuger aus Niedersachsen haben die Ver-marktung ihrer Milch selbst in die Hand genommen -mit Erfolg. Das Milchgeld stieg um 2,0 Ct/kg!


Unzufrieden mit dem niedrigen
Auszahlungspreis ihrer Molkerei
haben 19 Milcherzeuger aus dem
östlichen Niedersachsen die Vermark-
tung ihrer Milch selbst in die Hand ge-
nommen - mit Erfolg: In den ersten Mo-
naten des laufenden Jahres haben sie
rund 2 Cent pro Liter mehr erlöst.
"Die Milch abliefern und dann da-
rauf warten, was die Molkerei auszahlt,
damit ist jetzt Schluss", erklärt Joachim
Banse (65 Kühe, 9500 kg) aus Wittingen
selbstbewusst. Gemeinsam mit 18 wei-
teren Berufskollegen hat er zum Jahres-
ende seine alte Molkereigenossenschaft
(Isenhagener Land) verlassen und sich
auf die Suche nach einem neuen Ab-
nehmer gemacht, der ihm einen höhe-
ren Milchpreis auszahlt. Fündig wurde
er im 250 km entfernten Wohlmirstedt
in Sachsen-Anhalt. Seit dem 1. Januar
verarbeitet die dort angesiedelte Aller-
stedter Käserei täglich einen Lastzug
Milch aus Niedersachsen.
Doch der Reihe nach: Wie die meis-
ten Milchviehbetriebe der Region lie-
ferte auch Banse in den letzten Jahren
seine Milch an die Molkereigenossen-
schaft Isenhagener Land im 13 km ent-
fernten Hankensbüttel. Die Molkerei ist
jedoch zunehmend in eine wirtschaftli-
che Schieflage geraten, was sich letzt-
lich auch beim Milchpreis bemerkbar
machte. Der Auszahlungspreis pendelte
sich in den letzten Jahren deutlich un-
ter dem (im Bundesvergleich ohnehin
schon niedrigen) niedersächsischen
Durchschnitt ein.
Kritik an Milchpreis-
politik der Molkerei
Nachdem die Molkereigeschäftsfüh-
rung im letzten Jahr dann noch ange-
kündigt hatte, die eigene Milchverar-
beitung aufzugeben und künftig nur
noch Milch für die Milcherfassung Uel-
zena sammeln zu wollen, war für Jo-
achim Banse das Maß voll. "Obwohl ei-
nige Molkereiunternehmen Interesse
am Standort Hankensbüttel zeigten
und dort auch investieren wollten, hat
die Geschäftsführung alles daran ge-
setzt, ausschließlich mit Uelzena zu fu-
sionieren", beklagt Banse. "Bessere An-
gebote, die uns einen höheren Milch-
preis beschert hätten, wurden ausge-
schlagen." Da Uelzena in den letzten
Jahren auch nur unterdurchschnittlich
auszahlte, stand für ihn fest, dass er der
Molkerei den Rücken kehren muss.
Eine Satzungsänderung der Genos-
senschaft ermöglichte es ihm, kurzfris-
tig seine Lieferverpflichtungen zu kün-
digen. Nachdem weitere Berufskollegen
mit ins Boot gestiegen sind und so eine
Rohstoffmenge von neun Mio. kg zu-
sammen gekommen ist, hat Banse ge-
meinsam mit seinem Kollegen Andreas
John (100 Kühe) damit begonnen, die
Milch am Markt anzubieten.

Mit zwölf Verarbeitern verhandelt


Mit zwölf Verarbeitern habe man in-
tensiv verhandelt, erläutert John. Dabei
habe man sich auf Unternehmen kon-
zentriert, die keine Massenware wie Pul-
ver oder Butter herstellen, sondern Spe-
zialitäten bzw. nicht austauschbare Pro-
dukte. Um sicher zu gehen, dass es sich
um finanziell gesunde Unternehmen
handelt, haben wir gleichzeitig das Um-
feld der Molkereien sondiert, ergänzt
Banse. "Wir haben stundenlang telefo-
niert und bei etlichen Lieferanten und
Abnehmern nachgefragt."
Einig wurden die beiden Milch-
erzeuger schließlich mit der Allerstedter
Privatkäserei in Sachsen-Anhalt. Verein-
bart wurde ein unbegrenzter Lieferver-
trag, der jedoch von beiden Seiten je-
weils zum Jahresende gekündigt werden
kann. Die Käserei zahlt den 19 Milcher-
zeugern (10 bis 150 Kühe) derzeit einen
Grundpreis in Höhe von 28,5 Ct/kg Oa-
nuar bis März 2004). 40 % des Milchgel-
des erhalten die Erzeuger als Abschlags-
zahlung bereits am 22. eines laufenden
Monats. Zuschläge für S-Klasse oder grö-
ßere Liefermengen werden nicht ausge-
zahlt, im Gegenzug verzichtet die Mol-
kerei jedoch auf eine Grundkostenpau-
schale und sonstige Abzüge.
Erfasst (zweitägig) wird die Milch
von einer privaten Spedition, die von
den Landwirten beauftragt wurde. Die
Transportkosten für die 600 km lange
Fahrtstrecke, die der Milchsammelwa-
gen täglich zurücklegt, tragen die Er-
zeuger. Im Gegenzug erhalten sie je-
doch einen Transportkostenzuschuss
von der Käserei.*
(*Richtig ist: Die Heidemilchmitglieder
erhalten 0,50 Cent weniger als die Erzeuger direkt vor Ort)
Zur rechtlichen Absicherung haben
die Milcherzeuger der Liefergemein-
schaft Anfang April die Erzeugerge-
meinschaft (EZG) Heidemilch gegründet.
Als Geschäftsführer fungieren Banse
und John. Zur Deckung der anfallenden
Kosten zahlen alle EZG-Mitglieder eine
Umlage von 0,1 Ct pro kg in eine ge-
meinsame Kasse. Davon werden auch
die beiden Geschäftsführer entlohnt.

Molkereien stehen Schlange


. Unter dem Strich investieren Banse
und John jeweils etwa 15 Stunden an
Arbeitszeit wöchentlich in die Vermarktung
der Milch bzw. die Arbeit der
EZG. So müssen die beiden "Geschäfts-
führer viele der Arbeiten jetzt selbst or-
ganisieren, die ihnen zuvor von der
Molkerei abgenommen wurden, darun-
ter auch die Durchführung von QM-
Audits. "Zudem müssen wir uns ständig
über die aktuelle Lage auf dem Milch-
markt informieren. Auch halten wir
Kontakt zu verschiedenen Molkereien,"
erläutertJohn, "das ist wichtig, denn ei-
nige Molkereien aus der Region versu-
chen immer wieder unsere Arbeit zu
torpedieren, in dem sie z. B. den Milch-
verarbeitern mit denen wir verhandeln,
Milch günstiger anbieten."
Einig sind sich die Landwirte, dass
die Erzeugergemeinschaft weiter wach-
sen soll. Etliche Anfragen von Berufs-
kollegen liegen bereits vor. Sobald wie-
der etwa neun Mio. kg Milch unter Ver-
trag sind, soll erneut ein Tankwagen ge-
ordert werden. Bei welchem Verarbeiter
dieser Lastzug dann abtanken wird, ist
derzeit noch unklar. Sicher ist nur, dass
man sich nicht langfristig ausschließ-
lich an eine einzige Molkerei binden
werde, erläutert Andreas John. "Wir
wollen schließlich unsere Milch aktiv
vermarkten."
Angst, dass sie in Zeiten von Roh-
stoffüberschüssen auf ihrer Milch sit-
zen bleiben könnten, haben die beiden
"Vermarkter" nicht. "Viele haben uns
zunächst nicht ernst genommen", er-
innert sich Banse, "das hat sich aber
schnell geändert. Mittlerweile sind wir
als vertrauenswürdige Handelspartner
bekannt, jetzt fragen immer mehr Mol-
kereien bei uns an, ob wir nicht ins Ge-
schäft kommen können. "

Das Beispiel der Erzeugergemein-schaft Heideland zeigt, dassEigeninitative zum Erfolg führenkann.

Zwei Cent mehr pro Liter
Milch sind in Zeiten niedriger
Milchpreise ein gewaltiger Wettbe-
werbsvorteil. Es zeigt aber auch, dass
die Vermarktung nichts für Leute
mit schwachen Nerven und vollem
Terminkalender ist.


Gregor Veauthier



Aller-Zeitung, Gifhorn

AZ - Lokales
Immer weniger Geld für Milch
(max) Zahlreiche Landwirte und Interessierte folgten der Einladung zu einer Diskussion über die Milchwirtschaft. Dazu aufgerufen hatte die Vermarktungsgesellschaft Heidemilch und der Milchaktionskreis Braunschweig/Gifhorn.
In der Scheune des Deutschen Hauses referierten Elmer Uricher, Rechtsanwalt für Wirtschaftsangelegenheiten und Nebenerwerbslandwirt aus Konstanz/Bodensee, Dietmar Hilker, Fachmann für Kommunikation und Marktstrategien aus Leer, und Dr. Franz J. A. Wagenhauser von der Marketinggesellschaft für niedersächsische Agrarprodukte in Hannover. Landwirte kämpfen gegen Preisverfall. Lebensmittel-Discounter verkauften Milchprodukte mit Schleuder- und Schnäppchenpreisen, so Uricher. Der Bauer bekomme immer weniger ab vom Gewinn. „Die Landwirte müssen aufhören zu jammern und auf Subventionen zu hoffen, sie müssen agieren und sich beim Kunden vor Ort behaupten.“
Beispiele wären Führungen und Besichtigungen mit Schulklassen, Kindergeburtstage auf dem Bauernhof, Präsentationen der Erzeugnisse vor Ort am Einkaufsmarkt. Karl Niebuhr und Jörg Schulze vom Landvolk Gifhorn und andere Landwirte konterten jedoch, dass diverse Anstrengungen mit mäßigem Erfolg unternommen werden und sie nicht die Zeit und auch nicht das Kapital für diese Vorschläge hätten.
Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Marktpreise und Anerkennung bei der Kundschaft sei auch der Plan, das ländliche Dorf Ummern als ein typisches Milcherzeugerdorf dem Tourismus anzubieten, so Hilker. Er warb dafür, den Weg der Milch von der Kuh bis ins Glas zu demonstrieren. Wagenhauser bot den Anwesenden die Mithilfe des Institutes für Marketing für eine Stabilisierung und Verbesserung der Erzeugerpreise an.




Veröffentlicht 12.06.2005 21:44 Uhr